Laternen am Morgestraich 2014
Journalismus

Frau Fasnacht wirft ein Auge auf die NSA

Schon früh in der Nacht waren die Trams voll gestopft und kurz nach drei Uhr füllten sich langsam aber sicher die Gassen und Plätze in der Basler Innenstadt. Bevor es an den Nachmittagen unter vorausgesagtem strahlenden Sonnenschein auf die Cortège-Route geht, war um Punkt vier Uhr zum Start der «drey scheenschte Dääg» erstmals totale Dunkelheit angesagt. Ein raunen der Zuschauer als das Licht abging und ein «Morgestraich – vorwärts Marsch». Das Licht- und Tonspektakel konnte beginnen. Eine geballte Energie, die ein Jahr darauf warten musste, an der Fasnacht wieder freigesetzt werden zu dürfen. Die Laternen farbenfroh und im Sekundentakt durch ein grelles Blitzgewitter aufgehellt.

Ein beliebtes Sujet – die Amerikaner haben es sicherlich schon gewusst – ist die NSA. «Yes, we scan» steht beispielsweise auf der Laterne der Pierrot-Clique und macht mit einem zusätzlichen Buchstaben aus Obamas Wahlkampfspruch ihr Fasnachts-Sujet. Auch die Alti Märtplatz hat die Überwachung zum Thema ihrer beinahe angsteinflössenden Laterne gemacht.

Dennoch eine wärmende Mehlsuppe

Doch auch an regionalen Themen hat es im letzten Jahr nicht gemangelt: So mutieren gleich mehrere Laternen zum Verbots- und Verkehrsschilder-Wald, für welchen auch die dafür verantwortlichen Politiker gerade stehen müssen. Ebenfalls bekommen die BVB ihr Fett weg, was beispielsweise mit einem Tram auf Abwegen illustriert wird. Und auch die letztes Jahr so aktiven Kupferdiebe haben es auf die Laternen der diesjährigen Fasnacht geschafft.

Nach etwas mehr als einer halben Stunde war der frühmorgendliche Spuk dann schon wieder vorüber. Immer mehr Cliquen suchten sich einen Ruheplatz. Und von den Morgenstraich-Besucher – so warm sind drei Grad auch wieder nicht – gönnte sich wohl manch einer in einem heimeligen Keller eine wärmende Mehlsuppe. Am Cortège am Montagnachmittag dürfte dann bei Sonnenschein und rund 15 Grad aber eher ein kaltes Getränk den Vorzug erhalten.