Mohamed Salah und Marco Streller beim Anspiel in der Champions League Partie gegen Chelsea.
Journalismus

Der Hype um Mohamed Salah

«Hallo, ich würde mich gerne mit Mohamed Salah treffen.» Die Frau, die vor einigen Wochen plötzlich vor der Geschäftsstelle des FC Basel stand, war extra aus England angereist. Vermutlich habe sie einen ägyptischen Hintergrund, erzählt Remo Meister, Web-Verantwortlicher des FCB. Doch ganz so einfach gibt es kein Rendezvous mit Salah: Sie musste sich mit einem kurzen Gespräch nach dem Training begnügen, was sie überglücklich machte. Sicherlich nicht Alltag für den jungen Flügelspieler, doch auch keine Rarität.

Über 6000 Kilometer südöstlich von Basel, in der saudi-arabischen Stadt Jeddah, scheint man sich ebenfalls für den Fussballer keine Mühe zu scheuen. Der 15-jährige Thabet Khaled übersetzt dort seit Mitte September die Facebook-Meldungen des Basler Fussballvereins ins Arabische. Auch Gerüchte, Umfragen und Links zu Liveübertragungen gehören zum Angebot. Mithilfe einfacher Internet-Übersetzungstools macht er so die News den arabisch-sprechenden Fans zugänglich. «Viele bedanken sich bei mir, für das, was ich mache. Jeder will wissen, wie es um Salah in der fernen Schweiz steht», schreibt Khaled. Am Nildelta sei er nicht nur ein populärer Sportler, er gehöre zu den berühmtesten Ägyptern überhaupt, meint Khaled, welcher selbst seit vier Jahren nicht mehr im Land der Pharaonen wohnt.

Der Rummel bricht keineswegs an der Landesgrenze ab, auch in der Provinz Mekka, in der Khaled wohnt, sei das Interesse immens. Der ganze arabische Raum fiebere mit, bewundere und lobe den Fussballer in Diensten des FC Basel. Seine Fanseite für die arabische Welt, heisst FC Basel 1893 Arab Offical. Der Auftritt war, bis ihn die BaZ kontaktierte, ein bisschen zu offiziell. Das fanden auch die Verantwortlichen beim FCB: «Wir finden solche ‹Von-Fans-für-Fans-Aktionen› toll. Es muss aber klar ersichtlich sein, dass es keine offizielle Seite ist», gibt Meister zu bedenken.

Weit über Ägypten hinaus

Doch der junge ägyptische Fan trifft mit seinem Service den Puls der Zeit. Denn dieFangruppe des «African Talent of the Year 2012» ist riesig. Und sie stürmt die offizielle Facebook-Seite des FCB, auf der sie kein Wort versteht. Jeder fünfte, der in den letzten Wochen rasant gestiegenen «Facebook-Likes», kommt aus dem Nahen Osten. Bereits über sechzigtausend kamen seit dem Sieg gegen Chelsea neu dazu. Tendenz weiter steigend. Die Kommentare sind demzufolge oft auf Arabisch. Beim Webteam gebe es jedoch keinen Mitarbeiter, der Arabisch spricht. Dies mache das Filtern von heiklen Kommentaren schwierig: «Friedliche Religions- und Fanbekenntnisse wollen wir nicht zensieren. Für politische Äusserungen sind wir jedoch die falsche Plattform. Vor dem Spiel in Tel Aviv war das ganz schwierig», sagt Meister.

Die Fans in Salahs Heimat stürmten auch schon baz.online: Beim Voting zum FCB-Spieler des Jahres sah es lange nach einem Start-Ziel-Sieg von Valentin Stocker aus, aber kurz vor Ende zog Salah wegen Tausender arabischer Stimmen noch an ihm vorbei.

Doch durch den Ruhm wird Salah attraktiv als Botschafter für Ägypten. So versuchten die dortigen Medien im August politischen Druck auszuüben. Salah sollte sich weigern, mit dem FC Basel in Israel gegen Maccabi Tel Aviv anzutreten. Dem kam er aber nicht nach und erzielte in jenem Spiel gar ein wichtiges Tor. Doch wie geht der erst 21-Jährige mit diesem Hype um? «Er freut sich natürlich, fühlt sich aber deswegen sicherlich noch mehr verpflichtet, stets seine bestmögliche Leistung zu erbringen, um den Erwartungen gerecht zu werden», sagt Mediensprecherin Andrea Roth.

Bei der arabischen Begeisterung von «vergöttern» zu sprechen, ist sicher im Bezug auf den muslimischen Glauben heikel. Es trifft es aber wohl am besten.